Informationen zum Gottesdienst
Einleitung
In Nürnberg feiern wir seit März 2001 regelmäßig QueerGottesdienste. Ausgangspunkt war das Bedürfnis, neben den eher gesellig bzw. kirchenpolitisch orientierten Angeboten der örtlichen HuK-Gruppe ein regelmäßiges spirituelles Angebot für die Lesben und Schwulen der Region – und auch für uns selbst – zu etablieren. Anknüpfen konnten wir dabei an die langjährige Tradition des CSD-Gottesdienstes in der evang.-luth. Hauptkirche St. Lorenz, der inzwischen auch von unsere Gruppe federführend verantwortet wird. Seit etlichen Jahren ist der CSD-Gottesdienst nun in der Kirche St. Jakob beheimatet.
Die Lorenzer Gemeinde war es schließlich, die uns für die ersten vier Jahre die Kappelle des Heilig-Geist-Spitals zur Nutzung zur Verfügung stellte. Nach dem Verkauf der Räumlichkeiten sind wir – nach einer Übergangszeit in der evang.-luth. Kirchengemeinde St. Jobst – seit September 2005 in der ältesten unzerstört erhaltenen Kirche Nürnbergs, der St. Johannis-Kirche, beheimatet.
Unser Team
Getragen wird der Gottesdienst von einem auf vielfältige Weise queeren (schwul, lesbisch, bi, ace, trans, nichtbinär) ca. 10-köpfigen, ökumenischen Vorbereitungsteam aus ‚Theolog*innen’ und ‚Lai*innen’, das sich halbjährlich trifft und nach Bedarf Aufgaben und Funktionen unter sich verteilt. Es ist uns bisher gelungen, ohne verfestigte oder verrechtlichte Strukturen bzw. feste Leitungs- oder Sprecherämter auszukommen. Aus diesem Kreis bilden sich die Teams für die einzelnen Gottesdienste, die dann in eigener Verantwortung und freier Gestaltung vorbereitet werden. Über Verstärkung freuen wir uns immer!
Leiturgia
Wir feiern unsere Gottesdienste - vom konfessionell-kirchenrechtlichen Standpunkt aus gesehen - als evangelische Wort- und Abendmahlsgottesdienste mit ökumenischer Gastfreundschaft. Das bedeutet, dass wir je nach Bedarf zu unseren Gottesdiensten wechselnde Pfarrer*innen der evang.-luth. Kirche als Abendmahlsliturg*innen zu uns einladen.
Letztlich ist aber der ökumenische Geist in den Feiern dominierend, schon aufgrund der konfessionellen Traditionen, die die einzelnen Mitglieder der Vorbereitungsteams in die Gestaltung mit einbringen.
Derzeit ist unser agendarisches Schema als ‚experimentell mit fester Grundstruktur’, was bedeutet, dass wir immer einem wiedererkennbaren Aufbau folgen (thematischer oder besinnlicher Eröffnungsteil, Lesung und Auslegung, meist offene Fürbitten, ggf. Abendmahlsfeier), aber soviel Spielraum lassen, dass eine pluriforme Ausgestaltung möglich bleibt. So entfalten Anspiele und meditative Texte, Schlager und Psalmen, Lesben-Combos und Orgel, interaktive Schreibmeditationen und klassische Predigten kreativ und spannungsreich die von der evangelischen Leseordnung vorgeschlagenen Sonntagstexte.
Koinonia
Da wir uns nicht als queere Parallelgemeinde mit ‚Vollprogramm’ verstehen, sondern als ein zielgruppenorientiertes, ergänzendes gottesdienstliches Angebot, das Team wie Teilnehmenden die weitere Beheimatung in ihren Ortsgemeinden ermöglichen soll, beschränkt sich das Gemeinschaftsleben schwerpunktmäßig auf ein geselliges Beisammensein nach dem Gottesdienst in Gemeinderäumen bzw. einer örtlichen Szene-Kneipe. Dort ist Raum für (auch seelsorgliche) Gespräche, Vernetzung und solidarische Unterstützung. Auch an weiteren queer-christlichen Angeboten wie der „Queeren offene Tür“ mit Heart Circle an jedem zweiten Montag im Monat von 18:05 bis 19:30 Uhr in der „Cityseelsorge an St. Jakob“ beteiligen wir uns.
Diakonia
Unsere ‚Weltverantwortung’ nehmen wir v.a. auf dem Weg wahr, dass wir in jedem Gottesdienst eine Kollekte sammeln, die abwechselnd einem queeren bzw. einem nicht szeneorientierten Projekt zugute kommt. So unterstützen wir örtliche Beratungs- und Selbsthilfeprojekte, aber auch Gruppen und Aktionen in anderen Ländern.
Martyria
Unsere Sichtbarkeit und Öffentlichkeitsarbeit richtet sich hauptsächlich in den Raum der örtlichen und regionalen schwullesbischen und queeren Szene: über Flyer und Plakate sowie über Beiträge zur queeren Ortspresse versuchen wir uns als Anlaufstelle und Angebot im Bewusstsein zu halten. Höhepunkt in der Breitenwahrnehmung ist sicherlich der alljährliche Gottesdienst zum Nürnberger CSD, der am Sonntag nach der CSD-Demonstration in der Nürnberger Jakobskirche gefeiert wird. Der Kontakt in die beiden Großkirchen ist nur schwach ausgeprägt, selbst zu den gastgebenden Gemeinden beschränkte er sich bisher eher auf die rein organisatorische Ebene. Wir arbeiten mit in der Gemeinschaft der deutschsprachigen lesbisch-schwulen Gottesdienstgemeinschaften (LSGG) und im Rahmen der evangelischen bzw. katholischen Kirchentage.
Thomas Zeitler für das Nürnberger QueerGottesdienstTeam (überarbeitet von SilDa im März 2025)